Liebe Leserin, lieber Leser,

als im Frühjahr 2020 das Virus Covid 19 (Corona) die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzte, begann ich die Ereignisse durch einen Cartoon zu kommentieren und in den Sozialen Netzwerken zu veröffentlichen.

 

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Nachdem das Virus durch die Deutsche Bundesregierung zunächst als nicht außergewöhnlich gefährlich eingestuft wurde, wurde es kurze Zeit später als eine große Bedrohung verstanden. Das öffentliche Leben wurde schließlich weitestgehend „heruntergefahren“.

Corona wurde in kürzester Zeit zu einem vorherrschenden, medialen Superstar und Angst machende Bilder und Zahlen zu absolut dominanten Nachrichten – ein Ereignis in der deutschen Medienlandschaft, das nach dem Zweiten Weltkrieg, so noch nicht zu beobachten war.

Die Verbreitung von Schreckensnachrichten verselbständigte sich durch die Weiterverteilung in den Sozialen Netzwerken. Scheinbar wollte jeder den anderen vor der Bedrohung, dem unausweichlichen Tod warnen. Allein hierdurch wurde das Bedrohungspotenzial durch Corona, zumindest auf einer emotionalen Ebene, kontinuierlich verstärkt und hierdurch bestätigt.

Die wachsende Polarisierung schränkte den Raum für einen differenzierten Diskurs immer weiter ein. Ein kritischer Moment, der zur weiteren Manifestation und Verhärtung der Polarisierung führte. Jede Seite versuchte nun immer eindringlicher, ihre Positionen zu bekräftigen. Verurteilungen und Hetze nahmen zu. An dieser Stelle wird deutlich, welche Kraft und Macht Bilder haben können. Und es wird deutlich, wie viel Verantwortung Urheber und auch Verteiler von Bildern und Nachrichten haben.

"Inge, Willi, Corona und ich" ist ein subjektiver Kommentar zu diesen Ereignissen und darüber hinaus ein Zeitdokument.
Ich habe immer die Hoffnung, dass uns Humor leichter in eine Selbsterkenntnis führen kann. Und ich habe immer wieder die Hoffnung, dass sich eine wohlwollende Menschenliebe über unsere Erde verbreitet und die Formen von schmerzhaften, abspaltenden Machtstrukturen – auf welchen Ebenen auch immer – an Attraktivität und Anziehungskraft verlieren. Und Macht ist, neben der Angst, in dieser Zeit so unausweichlich und kompromisslos für jeden auf einer sehr persönlichen Ebene erfahren worden. Wer das nicht so empfunden hat, hat vielleicht großes Vertrauen in Politik und Medien. Auch diese Position bleibt frei wählbar, wie künstlerische Auseinandersetzungen, wie eben dieser Cartoon. Ach, jetzt polarisiere ich schon selbst, ist bestimmt ansteckend.

Die ersten 48 Cartoons wurden erstmalig, unterstützt durch die Stadt Recklinghausen, vom 27. Juni bis 29. August 2020 in der Recklinghäuser Innenstadt ausgestellt. Im Rahmen der 9. Revierkunst 2020 erhielt der Cartoon, zusammen mit meinen Upcycling-Kunstobjekten „PorzellanAlarm“, im August 2020 den Künstler-Kunstpreis 2020.

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Markus Jöhring · 0 23 61 - 10 86 46 · Kontakt

- Urheber-Nr.: 752505 (Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst)
- Urheber-Nr.: 1602215 (Verwertungsgesellschaft Wort)
- Mitglied im BDP (Bundesverband Deutscher Pressefotografen)

 

Eine aktuelle Arbeit aus 2020. Aus den vielen Textbotschaften im Bild kann die Käuferin, der Käufer des Bildes den Titel festlegen. Markus Jöhring · 120 x 120cm · Acryl auf Leinwand · 5/2020

 

NACH OBEN ... 

Ich schalte meine Gefühle ab und beginne Staub zu saugen. 
Kurzgeschichten und Gedichte von Markus Jöhring

Textproben:

23.52 Uhr

Sechs, vielleicht acht Jugendliche standen unter meinem Fenster und unterhielten sich lautstark. Einer von ihnen erzählte immer wieder dieselbe Geschichte, dass seine Mutter nicht das richtige Waschpulver benutze und er jetzt nach Scheiße stinke. Jedes Mal wenn ein neues Mitglied auf die Gruppe der Jugendlichen stieß, erzählte er diese Geschichte. Jedes Mal musste der Neuankömmling an seinem Shirt riechen. Und jedes Mal wurde ihm bestätigt, dass sein Shirt nach Waschpulver roch.

„Scheiße, ich stinkt voll nach Scheiße.“

Es wurde geschrien, gelacht, gekichert und in einer Endlosschleife die Geschichte des falschen Waschpulvers erzählt. Bis dem jungen Mann eine Selbsterkenntnis gewahr wurde.

„Ich bin Scheiße, … besoffen, scheißbesoffen.“

Ich ging zu meinem Schlafzimmerfenster und blickte auf viele kleine, leuchtende Smartphone-Displays. Die Jugendlichen sah ich nur schemenhaft.

„Ich stinke voll nach Scheiße,“ brüllte er erneut los.

„Und das riecht man bis hier oben,“ erwiderte ich, ebenso laut wie entschlossen, aus dem Dachgeschoß.

Ein paar Sekunden lang war es still. Die Smartphones flimmerten wie überdimensionierte Glühwürmchen in dieser schwülen Sommernacht, zwischen den Ästen der Bäume zu mir hinauf. Nur ein Ghettoblaster, der auf dem Bismarckplatz mit seinem dumpfen Signal seit Stunden in die müden Häuser des Westviertels eindrang, blieb auf Sendung. Dann ging ein Raunen durch die Gruppe. Und bevor das erste hohle Wort aus einem der jungen Münder kam, sprach ich ein Gebet nach Unten.

„Leute, ihr seid geil. Auf jeden Fall fett. Den ganzen Sommer über habt ihr den Platz mit euren kaputten Bierflaschen dekoriert, eure politische Meinung zum Bismarck-Denkmal künstlerisch zum Ausdruck gebracht, indem ihre leere Bierkästen dagegen geworfen habt. Und hey, ihr habt es vorletzte Nacht sogar geschafft, einen Baum zu fällen.
So wie ich das sehe, seid ihr bereit. Und damit meine ich jeden von euch Smartphone-Affen. Ihr seid bereit in nicht allzu ferner Zukunft, vier bis fünf Rentner durchzufüttern. Also jeder von euch Genies. Das ist die Schwarmintelligenz. Ja. Ihr steht in der Schlange, ihr seid meine Zukunft. Und ob ihr nach Scheiße stinkt oder nicht, ist mir scheißegal.“

Dann schloss ich schnell das Fenster, weil wieder Flaschen flogen.

 

Wolkenküsse

Heute Nacht, als sich die ersten Wolken aus den Träumen der Schlafenden gebildet hatten, heute Nacht wehte ein Wind, der sich nicht beruhigen wollte, weinten Kinder bis nach Mitternacht und die Sirenen der Polizeiwagen kamen nicht zur Ruhe, wurden am frühen Morgen heiser, kratzig und rau.

Was hatten die Schlafenden nur angerichtet? Das Wolkenbild war zerstritten. Lange Wolkenstreifen, spitze Federn, die sich zu scharfen Schwertern verwandelt hatten und kleine Wolkenküsse, die sich aus Gruppen losgelöst hatten und keinen Zusammenhalt mehr finden konnten.

Auf der einen Himmelsseite eilten dunkle, flache Regenbänder über die Stadt und suchten hastig nach müden Bewohnern, um sie wach zu regnen, um sie von den alten, grollenden Gedanken freizuspülen. Weiter in Richtung Norden, dort wo die Sonne die Kraft hatte, etwas Sommer zu versprechen, begannen größere, schwerere Wolken ihre Haltung aufzugeben, teilten sich, gaben sich auf, um viele Wolkenfragmente weit oben in den nicht enden wollenden Himmel freizulassen. Hier vergaßen sie dann die irdischen Aufregungen, versöhnten sich mit den wohlwollensten Gedanken, die jemals von Menschen gedacht wurden, die aber so frei und so leicht waren, dass sie nur hier oben überleben konnten.

Dann, so als ob das Filmende erreichte sei, entließ mich dieses Schauspiel in mein eigenes Leben und ich überlegte mir, wie ich heute sein wollte, wie ich über all das denken wollte und ob, neben einem Frisörbesuch, nicht auch eine generelle Verwandlung meinerseits notwendig wäre, um endlich zu vertrauen, dass wir uns jeden Tag aus gutem Grund verlieren.

NACH OBEN ...

Eine aktuelle Arbeit auf gebrauchtem Porzellan. Besucht PorzellanAlarm auf Facebook ...

 

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